Frau Burner denkt laut: Trotz ist durch die Tür gegangen, trotz Neid und Scham. Doch drinnen zu stehen heißt noch nicht, angekommen zu sein. Manchmal muss erst jemand aussprechen, was wirklich war – nicht das, was andere ihm gerade erst eingeredet haben, sondern das, was er selbst all die Jahre am Tisch getan hat.
Am Rand des Festes
Trotz steht drinnen, etwas abseits vom Trubel. Die Musik ist da, aber er hört sie kaum. Neben ihm steht auf einmal jemand – ruhig, aufrecht. Wahrhaftigkeit.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Wahrhaftigkeit: | Du bist reingekommen. |
| Trotz: | Ja. Aber es fühlt sich noch nicht ganz richtig an. |
| Wahrhaftigkeit: | Dann lass uns anschauen, was wirklich war. Nicht was Neid dir gestern gesagt hat. Nicht was Scham dir eingeredet hat. Das, was schon viel länger gilt. |
| Trotz: | Ich hab am Tisch gesessen. Jahrelang. |
| Wahrhaftigkeit: | Ja. |
| Trotz: | Ich hab mich verweigert, als ihr mich gerufen habt. Immer wieder. |
| Wahrhaftigkeit: | Auch das ist wahr. |
| Trotz: | Ich hab lieber sitzen bleiben wollen, als aufzustehen. Nicht weil ich nicht konnte. Weil ich nicht wollte. |
Trotz schweigt einen Moment. Zum ersten Mal spricht er nicht über das, was ihm angetan wurde, sondern über das, was er selbst getan hat.
Buße tritt kurz dazu
Zwischen Wahrhaftigkeit und Trotz erscheint für einen Moment eine dritte Gestalt – still, mit gesenktem Blick. Buße. Sie sagt nichts, sieht Trotz nur an.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Trotz: | (leise) Es tut mir leid. Dass ich so lange dort gesessen hab. Dass ich nicht kommen wollte, als ihr mich gerufen habt. |
Mehr sagt er nicht. Braucht er auch nicht. Buße nickt nur, dann tritt sie zurück und geht – so leise, wie sie gekommen ist.
Trotz atmet aus. Etwas in ihm dreht sich um – nicht weg von Neid und Scham, die hat er schon hinter sich gelassen. Sondern weg von dem alten Tisch selbst, endgültig.
Vergebung tritt dazu
Eine zweite Gestalt kommt näher, nicht eilig, nicht zögerlich. Vergebung.
| Sprecher | Diaog |
|---|---|
| Vergebung: | Darf ich mich dazustellen? |
| Trotz: | Du hast gehört, was ich gesagt hab. |
| Vergebung: | Ja. Und ich sag dir, was jetzt ist: Es steht nicht mehr zwischen dir und dem Fest. |
| Trotz: | Einfach so? |
| Vergebung: | Nicht einfach so. Es hat etwas gekostet. Aber nicht dich. |
| Trotz: | Und der Tisch, an dem ich gesessen hab? |
| Vergebung: | Steht noch da draußen. Aber du musst nicht mehr zurück. |
Und du? Sitzt du gerade noch an einem alten Tisch, weil du nicht kommen wolltest, als man dich gerufen hat – oder bist du schon unterwegs, es auszusprechen?
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„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen.“ (2. Korinther 5,17)
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Der nächste Teil führt euch mit an einen Tisch, an dem Trotz zum ersten Mal wirklich ankommt. Das Finale folgt in ein paar Tagen .
Falls du die Vorgeschichte verpasst hast, findest du hier die bisherigen Teile:
- Hier geht’s zu Teil 1 Trotz und Barmherzigkeit
- Hier geht’s zu Teil 2 Trotz, Bevormundund und Angst
- Hier geht’s zu Teil 3 Trotz und Einsamkeit
- Hier geht’s zu Teil 4 Trotz, Macht und Sanftmut
- Hier geht’s zu Teil 5 Trotz, Scham und Neid

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