Frau Burner denkt laut: Trotz hat lange am Tisch gesessen – erst mit Barmherzigkeit (Teil 1), dann mit Angst und Bevormundung in Teil 2, zuletzt mit Einsamkeit und Überheblichkeit in Teil 3. Jetzt kommt der Moment, auf den alles zulief: Trotz steht auf. Aber nicht jeder am Tisch steht mit auf.
Trotz steht auf
Trotz erhebt sich langsam vom Tisch. Der Stuhl kratzt leise über den Boden.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Einsamkeit: | Du stehst auf. |
| Trotz: | Ja. |
| Einsamkeit: | Und ich? |
| Trotz: | Komm mit. Ich will nicht mehr allein sein – aber du auch nicht. |
Beide gehen zur Tür. Von drinnen hört man Musik, Stimmen, Lachen. Die Tür öffnet sich, das Licht des Festes fällt herein – dann schließt sie sich wieder. Der Tisch ist leer bis auf einen. Überheblichkeit sitzt allein da, den Blick auf die geschlossene Tür gerichtet.
Macht und Überheblichkeit
Da wird die Tür erneut aufgestoßen – diesmal laut, hart. Macht tritt ein, bleibt stehen, sieht auf Überheblichkeit herab.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Macht: | Sie sind alle gegangen. |
| Überheblichkeit: | Ich bin geblieben. |
| Macht: | Das nennst du Treue? Ich nenne es: du hattest keine Wahl. |
| Überheblichkeit: | Ich kenne dich. Ich hab dir oft genug gedient. |
| Macht: | Gedient? Du hast mir Recht gegeben, wenn ich recht hatte, und geschwiegen, wenn ich unrecht hatte. Das ist kein Dienst. Das ist Nützlichkeit. |
| Überheblichkeit: | Ich stehe für mich selbst. |
| Macht: | Du stehst, solange ich dich stehen lasse. Frag dich, wessen Gesicht du eigentlich trägst, wenn du auf andere herabsiehst. Meins. Immer meins. |
Überheblichkeit schweigt. Zum ersten Mal wirkt sie unsicher.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Überheblichkeit: | Und du? Wessen Gesicht trägst du? |
| Macht: | Ich brauche keins. Ich bin das, was übrigbleibt, wenn keiner mehr fragt, ob es richtig ist – nur noch, ob es funktioniert. |
| Überheblichkeit: | Das klingt einsam. |
| Macht: | Das klingt nach Kontrolle. Verwechsle das nicht wieder. |
Sanftmut kommt herein
Da wird die Tür erneut geöffnet – diesmal zögerlich. Sanftmut kommt herein, aufgeschreckt, sorgenvoll. Sie sieht Macht, dann Überheblichkeit.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Sanftmut: | Was passiert hier? |
| Macht: | Nichts, was dich etwas angeht. |
| Sanftmut: | Doch. Wenn du hier bist, geht es alle etwas an. |
| Macht: | Du redest, als hättest du hier etwas zu sagen. |
| Sanftmut: | Ich sage nicht viel. Aber ich bleibe da, wo du längst gegangen wärst. Im Streit am Küchentisch. Im Meeting, wenn einer laut wird und alle anderen leise werden. Beim Elternabend, wenn jemand das letzte Wort haben muss. |
| Überheblichkeit: | Und was bringt das? |
| Sanftmut: | Nichts, was man messen kann. Aber jeder hier weiß, wie es sich anfühlt, wenn einer laut über einen hinwegredet – und wie anders es sich anfühlt, wenn jemand bleibt, ohne zu drängen. |
| Macht: | Sanft sein heißt schwach sein. |
| Sanftmut: | Sanft sein heißt, dass ich nicht muss. Ich könnte laut werden. Ich könnte Recht behalten wollen. Ich tu’s nur nicht. |
Und du? Sitzt du gerade eher am Tisch bei der Macht, die meint, sie bräuchte niemandem Rechenschaft zu geben – oder erkennst du dich eher in der Überheblichkeit, die längst nur noch ein geliehenes Gesicht trägt?
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„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (Jak 4,6)
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Falls du die Vorgeschichte verpasst hast: Hier geht’s zu [Teil 1], [Teil 2] und [Teil 3].
Alles Liebe 💕

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