Frau Burner denkt laut:
Barmherzigkeit und Trotz kennt ihr schon aus dem letzten Gespräch. Diesmal setzen sich noch drei dazu – und es wird voll am Tisch.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Angst: | Kann ich mal was sagen, bevor ihr alle loslegt? |
(Die anderen schweigen. Angst redet leiser weiter.)
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Angst: | Ich hab einfach Angst. Dass was passiert, wenn ich nicht eingreife. Dass jemand sich wehtut, weil ich nicht rechtzeitig was gesagt hab. |
| Bevormundung: | Siehst du. Genau deshalb bin ich hier. Ich sag den Leuten, was gut für sie ist. Bevor was schiefgeht. |
Trotz kommt dazu, setzt sich breit hin.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Trotz: | Ah. Da bist du ja. Ich kenn dich. |
| Bevormundung: | Wir kennen uns beide zu gut. |
| Trotz: | Du entscheidest für andere. Ohne zu fragen. |
| Bevormundung: | Weil sie’s oft nicht besser wissen. |
| Trotz: | Woher willst du das wissen? |
| Bevormundung: | Erfahrung. Verantwortung. Ich will ja nur, dass es gut ausgeht. |
Vertrauen meldet sich – ruhig, fast beiläufig:
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Vertrauen: | Und wenn es auch gut ausgeht, wenn du loslässt? |
| Bevormundung: | Das ist ein Risiko. |
| Vertrauen: | Ja. Ist es. |
| Bevormundung: | Und du gehst das einfach ein? |
| Vertrauen: | Ich geh’s ein, weil ich glaube, dass der andere tragen kann, was ich ihm zutraue. Kontrolle sagt: Du schaffst das nicht ohne mich. Ich sag: Doch. |
| Angst: | Aber was, wenn du dich irrst? |
| Vertrauen: | Dann irr ich mich. Das ist der Preis. |
Stille am Tisch. Barmherzigkeit, die bisher nur zugehört hat, meldet sich.
| Sprecher | Dialog |
|---|---|
| Barmherzigkeit: | Ich kenn diese Geschichte. Ein Prophet, Jona, der wollte, dass eine ganze Stadt untergeht. Nicht weil er böse war – weil er dachte, er wüsste besser als Gott, wer Gnade verdient. Am Ende hockt er unter einem Baum und ist wütender über den Baum als über die geretteten Menschen. |
| Bevormundung: | Was hat das mit mir zu tun? |
| Barmherzigkeit: | Jona wollte kontrollieren, wer Gnade bekommt. Das ist Bevormundung mit einem theologischen Anzug an. |
| Trotz: | Und der ältere Bruder? Der stand doch bei mir vor der Tür. |
| Barmherzigkeit: | Der wollte auch kontrollieren – wer feiern darf und wer nicht. Sein Trotz war echt. Aber die Bevormundung dahinter auch. |
| Bevormundung: | Ich wollte doch nur, dass nichts Schlimmes passiert. |
| Angst: | Das wollte ich auch. |
| Barmherzigkeit: | Ich weiß. Deshalb sitzt ihr beide so nah beieinander. |
| Trotz: | Moment. Bei dir und mir ging’s um Gerechtigkeit. Wer verdient was. Hier geht’s um Freiheit. Wer darf selbst entscheiden. Ist das nicht am Ende dasselbe Problem? |
| Barmherzigkeit: | Vielleicht. Beides ist die Frage, ob du dem anderen etwas gönnst, das du selbst nicht kontrollierst. |
Keiner sagt mehr was. Der Tisch bleibt eine Weile still.
Und du? Was ist mit dir? Sitzt du gerade eher bei der Angst – oder schon beim Vertrauen? Ich kenne beide Plätze nur zu gut und weiß, wie schwer es manchmal ist, überhaupt vom Tisch aufzustehen. Ich selbst versuche gerade, der Angst weniger Raum zu geben und dem Vertrauen einen Kaffee einzuschenken.
Schreib’s in die Kommentare.
„Vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ (1 Joh 4,18)
Falls du die Vorgeschichte verpasst hast und wissen möchtest, wie diese Runde am Tisch überhauptzusammengefunden hat :
Hier den ersten Teil unseres Stammtisch-Gesprächs
weitere Teile dieses Gesprächs folgen – der Tisch ist noch lange nicht leer. Schau gern wieder vorbei – und wenn dir das Gespräch gefallen hat, teile es gerne weiter ❤️
Hier geht es schon zu Teil 3

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