Ich sitze gerade mit einem Wort. Habituation. Gewohnheit. Einübung.
Ich frage mich: Könnte das erklären, was mit mir passiert ist?
Ich kenne das Gefühl von Angst. Nicht nur als theoretisches Konzept, sondern als dieses plötzliche Rasen und diese Enge, wenn das Nervensystem ohne ersichtlichen Grund auf Alarm schaltet. Lange Zeit dachte ich: Das ist einfach so. Das bin ich eben.
Aber was, wenn Angst etwas ist, das man lernt? Und wenn man etwas lernen kann kann man es dann auch wieder verlernen?
Wie Angst zur Gewohnheit wird
Unser Nervensystem speichert, was wehtut. Irgendwann hat meines gelernt: Achtung, Gefahr! Seitdem wiederholt es dieses Muster in Dauerschleife – auch wenn längst alles friedlich ist. Die Angst wird zur Gewohnheit, tief eingeschrieben in den Körper.
Das ist im ersten Moment erschreckend. Und gleichzeitig unendlich befreiend. Denn Gewohnheiten sind kein Schicksal.
Aristoteles und meine Panikattacken
Der Mensch wird, was er wiederholt tut – das wusste schon Aristoteles. Wenn Angst gelernt wurde, dann kann sie auch umgelernt werden. Durch neue Erfahrungen. Durch winzige Schritte. Indem ich meinem Nervensystem immer und immer wieder zeige: Schau her, ich überlebe das.
Verlernen ist kein plötzlicher Akt, sondern eine tägliche Einübung.
Und dann ist da der Glaube
Doch tiefer als jede psychologische Technik sitzt bei mir die eigentliche, existenzielle Frage: Bin ich gehalten? Ist da jemand?
Es heißt, der Satz „Fürchte dich nicht“ steht 365-mal in der Bibel. Einmal für jeden Tag des Jahres. Ich verstehe das nicht als Befehl, sondern als eine sanfte, tägliche Einladung. Vertrauen einüben. Jeden Tag neu. Manchmal auch radikal gegen das eigene Gefühl.
Ich bin noch lange nicht am Ende dieses Weges. Aber ich glaube fest daran: Angst verlernen ist möglich. Es braucht Zeit. Es braucht Wiederholung. Und einen Gott, der größer ist als mein Nervensystem.
„Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7)
Das reicht mir für heute.
Kennst du das? Ich würde gerne wissen, wo du gerade stehst. Schreib es mir gerne in die Kommentare.
Alles Liebe 💕

Schreibe einen Kommentar