Manchmal hört man den Satz: „Du musst es nur wollen, dann schaffst du das auch!“ Doch wie viel können wir wirklich vom menschlichen Willen erwarten? Und inwieweit sind wir heute vielleicht alle heimliche Pelagianer?
Was bedeutet überhaupt „pelagianisch“?
Darunter versteht man die Ansicht, dass der Mensch aus eigener Kraft gut handeln kann. Er braucht dazu keine göttliche Gnade und auch keine äußere Hilfe. Sein Wille und seine reine Vernunft reichen völlig aus.
Wer heute den moralischen Zeigefinger hebt, gilt oft als sehr zuversichtlich: Mehr Ausbildung, die richtigen Anreize, bessere Erziehung – und wir werden alle tugendhafter. Ja, du musst es nur wollen und du musst es nur wissen. So what?!
Genau das ist eine pelagianische Haltung. Ein Mönch des 5. Jahrhunderts namens Pelagius lehrte, dass der Mensch von Natur aus fähig ist, das Gute zu wählen – rein aus eigener Kraft und durch den eigenen Willen. Die Kirche verurteilte diese Ansicht damals als Häresie (eine Lehrmeinung, die von der offiziellen Doktrin abweicht und als ketzerisch gilt). Doch die Philosophie hat diese Idee nie ganz losgelassen.
Der Pelagianismus in unserer modernen Welt
Der Pelagianismus steckt tief in unseren modernen Institutionen. Es wird oft geglaubt, dass schlechtes Handeln vor allem ein Wissensproblem ist. Unsere Leidenschaften, Süchte und Fehler werden, so die Hoffnung, von der Vernunft gezähmt. Bei moralischem Versagen denken wir meistens: Es hätte ja auch anders sein können, man hätte sich nur besser anstrengen müssen.
Der Gegenentwurf: Kirchenvater Augustinus
Der Kirchenvater Augustinus dachte das genaue Gegenteil: Der Mensch neigt schnell zur Selbsttäuschung. Er ist gefangen in Gewohnheiten, Begierden und dunklen Flecken, die er aus eigener Kraft kaum durchschaut.
Guter Wille allein reicht laut Augustinus nicht aus – weil der Wille selbst oft das eigentliche Problem ist.
Wir rationalisieren, statt echt zu urteilen. Wir handeln aus Gewohnheit, statt aus tiefer Überzeugung. Und wir überschätzen unsere eigene Freiheit stets aufs Neue.
Zum Nachdenken für dich
Wie viel können wir also vom menschlichen Willen erwarten? Wo ertappst du dich selbst dabei, zu denken: „Ich muss mich nur genug anstrengen“ – und wo tut es vielleicht gut, zu merken, dass wir unsere eigenen Grenzen aus eigener Kraft gar nicht sprengen können?
Ich lade dich ein, laut mitzudenken. Lass mir deine Gedanken gerne in den Kommentaren da!
Gottes Segen !
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