Frau Burner denkt laut.
Stromausfälle machen vielen Menschen Angst – mir auch, wie ich in Teil 1 und Teil 2 beschrieben habe. Doch beim dritten Mal war alles anders. Diesmal kam der Ausfall am frühen Morgen, nicht in der tiefen Nacht. Und genau das machte den entscheidenden Unterschied.
Zuerst war er nur partiell: Telefon und WLAN weg, ein paar Lampen aus. Aber der Kühlschrank summte noch, und draußen sickerte langsam das Tageslicht durch die Fenster. Ein Baufehler an der Straße, sagten die Arbeiter draußen. Um ihn zu finden, mussten sie den Strom in ein paar Häusern komplett abschalten. Von acht bis sechzehn Uhr.
Acht Stunden. Länger als beim letzten Mal. Und trotzdem: so viel leichter.
Warum dieser Blackout weniger Angst machte
Es gibt Gründe, warum uns das Gehirn tagsüber andere Geschichten erzählt als nachts:
- Es war Tag: Kein Dunkel, das die Gedanken lauter und bedrohlicher macht.
- Das normale Leben lief weiter: Die meisten Nachbarn hatten Strom. Die Welt drehte sich weiter. Ich lud mein Handy unkompliziert bei einer Freundin auf.
- Bewusste Stille: Ich teilte mir den Handy-Akku ein. Kein Fernsehen, kein Radio. Es war still, aber es war eine friedliche, keine bedrohliche Stille.
- Die Sorgen blieben pragmatisch: Der Gedanke an die Gefriertruhe kam natürlich trotzdem – aber er blieb klein. Eine rein praktische Frage, keine existenzielle nächtliche Angst wie in Teil 2.
Mein Learning: Nicht die Dauer entscheidet, wie schwer etwas wiegt. Es ist der Rahmen, in dem es geschieht.
Der Blick über den eigenen Tellerrand
Acht Stunden ohne Strom fühlten sich für mich im ersten Moment lang an. Und doch öffnet dieser Moment den Blick für das Große und Ganze:
Es gibt Menschen, die nach Stürmen und Katastrophen tagelang im Dunkeln sitzen. Und es gibt Millionen Menschen weltweit, die überhaupt nie Zugang zu Strom haben. Jeden Tag.
Das relativiert meine acht Stunden nicht im Sinne von „Stell dich nicht so an“ – aber es rückt die Perspektive gerade. Vielleicht ist Dankbarkeit für das, was wir als „normal“ empfinden, der erste Schritt. Und vielleicht auch die Frage, wie selbstverständlich wir Dinge nehmen, die für andere ein Luxus sind.
Fazit: Wenn das Licht der Sorge zuvorkommt
Der Strom kam am Nachmittag zurück, ganz unspektakulär. Diesmal habe ich die Stunden für die Gefriertruhe nicht panisch rückwärts gezählt. Ich habe den Gedanken kurz zugelassen, ihn gemustert – und dann weiter meinen eigenen, ruhigen Gedanken zugehört.
Vielleicht ist das der wahre Unterschied zwischen Nacht und Tag: nicht die Länge des Ausfalls, sondern ob das Licht schon da ist, wenn die Fragen kommen.
In Teil 2 ging es um das tägliche Brot – um das Genug für den aktuellen Tag. In Teil 3 geht es um den Morgen selbst: Die Barmherzigkeit ist schon neu, bevor überhaupt etwas passiert ist. Nicht, weil die Umstände plötzlich einfacher wären, sondern weil das Licht schon da ist, wenn die Sorge anklopft.
„Die Gnade des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß.“
— Klagelieder 3,22–23
Wie ist das bei dir?
Macht es für deine Sorgen einen Unterschied, ob es Tag oder Nacht ist, wenn sie dich einholen? Und – ganz ehrlich – wie lange hält bei dir die „Gefriertruhe im Kopf“ durch, bis du sie loslassen kannst?
Die ganze Geschichte liest du hier:
- [Hier geht es zu Teil 1: Wenn plötzlich das Licht ausgeht] – Wie die Angst im Dunkeln beginnt.
- [Hier geht es zu Teil 2: Die Gefriertruhe im Kopf] – Über nächtliche Sorgen und das tägliche Brot.

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