Nahaufnahme einer hängenden Mohnknospe im grünen Detail, aus deren rauer, behaarter Schutzhülle unten bereits die leuchtend roten Blütenblätter kräftig hervorbrechen.

Irgendwo zwischen Kaffeetasse und Ewigkeit: Was wir von „Maudie“ lernen können

Ich hab den Film “Maudie” gesehen und danach erstmal einen Kaffee gebraucht. Und ein Taschentuch. Vielleicht zwei.

Maud Lewis, kanadische Malerin, von Geburt an mit Arthritis – verkrümmte Finger, ein Körper, der ständig bremst, wo die Seele längst weiter will. Sie zieht zu einem mürrischen Fischhändler, der Welt anscheinend abhandengekommen, und fängt zwischen Hühnersuppe und Holzhütte an, die Wände zu bemalen. Vögel, Blumen, einfache Farben direkt aus der Tube. Aus dieser kleinen, fast trotzigen Geste wird am Ende ihr ganzes Leben – sogar ein US-Vizepräsident bestellt irgendwann ein Bild bei ihr. Die Frau, die kaum eine Tür allein öffnen konnte, hat die Welt ein kleines Stück bunter gemacht.

Ich kenn das mit den steifen Fingern, dem Rheuma, den Tagen, an denen schon die Kaffeetasse zu schwer ist. Bei mir ist es nicht die Malerei geworden, sondern dieser Blog. Und ehrlich – manchmal seufze ich über meine Hände, und tippe dann doch einen Satz. Es ist nicht heldenhaft. Es ist eher stur. Aber vielleicht ist genau das manchmal die ehrlichste Form von Glauben.

Mir kam beim Film dieser Vers in den Sinn: “Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.” (2. Korinther 12,9)

Kein Vers, der alles schönredet. Kein “dann wird’s schon wieder gut”. Eher einer, der sagt: genau hier, in den krummen Fingern, in dem, was nicht mehr geht – genau da kann trotzdem was Schönes wachsen. Maud hat das nicht gepredigt. Sie hat’s einfach gemalt.

Und ich schreib’s eben auf. Manchmal mit einem Augenzwinkern, manchmal mit Kaffee in der einen und Hoffnung in der anderen verkrümmten Hand. Irgendwo zwischen Kaffeetasse und Ewigkeit eben.

Und du? Was ist dein Pinsel? Womit machst du weiter, auch wenn die Finger oder die Seele gerade nicht so wollen?

Was der Glaube von Maud lernen kann

“Maudie” ist kein christlicher Film – und doch klingt im Hintergrund immer wieder “Amazing Grace” an, fast wie ein leiser Kommentar zu dem, was man sieht. Vielleicht nicht zufällig. Denn was Maud lebt, sind im Kern Tugenden, die auch im Glauben tief verwurzelt sind: Beharrlichkeit, die nicht aufgibt, obwohl die Hände es eigentlich nicht zulassen. Demut, die keinen Applaus braucht, um etwas wertvoll zu finden. Und eine stille Hoffnung, die nicht aus den Umständen kommt, sondern trotz ihnen da ist.

Maud sucht nie nach Größe. Sie malt einen Vogel, eine Blume, ein Stück Holz – und genau darin liegt etwas, das man fast geistlich nennen könnte: die Überzeugung, dass auch das Kleine, Unscheinbare seinen Platz und seinen Wert hat. Kein lautes Bekenntnis, aber ein gelebtes. Wie der Vers aus 2. Korinther sagt: Kraft, die sich gerade in der Schwachheit vollendet – nicht trotz ihr.

“Amazing Grace” passt zu Maud, weil ihr Leben selbst eine Art Gnadengeschichte ist: eine Frau, der wenig zugetraut wurde, die belogen, übersehen und unterschätzt wurde – und die trotzdem etwas geschaffen hat, das bleibt. Nicht weil sie stark war im klassischen Sinn. Sondern weil sie weitergemacht hat, mit dem, was ihr blieb.

Kernbotschaften des Films, kurz zusammengefasst:

  • Kreativität entsteht nicht trotz Begrenzung, sondern oft mitten in ihr – Maud malt gerade, weil ihre Hände kaum noch können, nicht obwohl.
  • Würde hängt nicht von Anerkennung ab. Maud malt lange bevor sie berühmt wird, einfach weil es ihr Freude gibt.
  • Liebe und Beziehung sind selten ideal. Maud und Everett sind kein romantisches Paar im klassischen Sinn, sondern zwei beschädigte Menschen, die sich aneinander gewöhnen.
  • Vergangenheit lässt sich nicht ungeschehen machen. Maud erfährt erst spät die Wahrheit über ihre Tochter – manche Wunden bleiben, auch wenn man weitermacht.
  • Kleine, beharrliche Gesten verändern ein Leben. Nicht der große Plan, sondern das tägliche Weitermachen mit dem, was geht.
  • Anerkennung von außen verändert wenig am eigentlichen Wert dessen, was Maud tut – der Wert lag schon vorher in der Sache selbst.

Zum Schluss noch ein Vers, der mich seit dem Film begleitet: “Wir haben aber solchen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft sei Gottes und nicht von uns.” (2. Korinther 4,7)

Vielleicht ist das die eigentliche Frage, die “Maudie” stellt: Wo in deinem Leben zeigt sich gerade Kraft, obwohl das Gefäß zerbrechlich ist?

Falls du den Film noch nicht kennst, möchte ich ihn dir ganz warm ans Herz legen. Nimm dir an einem ruhigen Abend die Zeit für diese leise, aber unendlich kraftvolle Geschichte. Schau ihn dir an – am besten mit einer heißen Tasse Kaffee und einer Packung Taschentücher griffbereit. Es lohnt sich.

Ich freue mich, wenn du mir in den Kommentaren erzählst, was dich an Mauds Geschichte berührt – oder welcher Vers dich gerade trägt.


Alles Liebe ! Deine Frau Burner 💕


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Kommentare

6 Kommentare zu „Irgendwo zwischen Kaffeetasse und Ewigkeit: Was wir von „Maudie“ lernen können“

  1. Avatar von Peter Lehr
    Peter Lehr

    Ich glaube ich kenne den Film.
    Habe beim anschauen mehrmals weinen müssen.

    1. Avatar von frauburner

      Diesen Film werde ich nochmal schauen .
      Er berührt nachhaltig .herzlichen Gruß
      🙏❤️

  2. Avatar von Frau
    Frau

    Tun wir nicht Alle dasselbe wie Maudie ?
    Jeden Tag stehen wir erneut auf und stellen uns dem Leben.
    Ich habe den Film zufällig gesehen.

    1. Avatar von frauburner

      Meinst du , dass das Alle so tun ??
      Umarmung zu Dir und täglich neue Kraft 🤗🙏

  3. Avatar von Andrea
    Andrea

    Gerade die anscheinend „unvollkommenen, beschädigten“ machen doch das Leben Lebens und lernenswert❤️
    Mit ❤️lichen Grüßen

    1. Avatar von frauburner

      Mit ❤️lichen Grüßen zu dir von einer unvollkommen Beschädigten ;-)😉🙏

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